Für eine offene und liberale Gemeinschaft spielen
Maximilian Herget wird 2028 zum vierten Mal die Rolle des Jesus übernehmen
Maximilian Herget hat mit gerade einmal 19 Jahren das erste Mal die Hauptrolle der Passionsspiele Salmünster übernommen. Und obwohl er sich selbst als „nicht sehr religiös“ beschreibt, ist der Büro- und Projektleiter der Jesus-Rolle treu geblieben. In der Fastenzeit 2028 wird er den sehr anspruchsvollen Part zum vierten Mal übernehmen.
Lieber Maxi, was fasziniert Dich so an der Rolle des Jesus von Nazareth?
Maximilian Herget: Mich fasziniert jedes Mal aufs Neue die Möglichkeit, in eine Rolle zu schlüpfen, die Gleichheit und Vergebung verkörpert.
Viele Darsteller schrecken vor der Hauptrolle zurück, weil sie befürchten, ihr nicht gewachsen zu sein. Was ist für Dich die größte Herausforderung im Spiel und wie bekommst Du sie bewältigt?
Herget: Die größte Herausforderung für mich ist dem emotionalen Anspruch der Rolle gerecht zu werden. Dank der guten Vorbereitung mit Workshops und intensiven Probenwochenenden fühle ich mich dafür aber immer gut gewappnet.
Was bedeutet es für Dich, dass die Inszenierung sich 2028 dem Thema Zusammenhalt widmet?
Herget: Das Thema Zusammenhalt bedeutet für mich gerade in der aktuellen Weltlage, dass wir als Menschen unser eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen müssen, um einen gemeinsamen Weg zu finden.
Wie bist Du zu den Passionsspielen gekommen?
Herget: Während der Probenzeit zu den Passionsspielen 2011 hat mich der Vater eines Freundes gefragt, ob ich mir das Projekt nicht ansehen wollte und dann bin ich geblieben.
Was machen für Dich die Passionsspiele aus?
Herget: Das Passionsspiel-Ensemble lebt eine Gemeinschaft, in der jeder sein darf wie er ist – etwas, dass man im echten Leben zu schnell vergisst.
Welche Zuschauerreaktion hast Du aus den vergangenen Spielzeiten in Erinnerung behalten?
Herget: Die Rückmeldung eines Zuschauers aus der letzten Spielzeit 2024 begleitet mich bis heute. Ein Vater erzählte mir, dass sein 13-jähriger Sohn völlig gebannt von unserer Vorstellung gewesen sei. Sonst interessiere sich der Jugendliche hauptsächlich für digitale Medien. Ein großes Kompliment.
Du wirst 2027 und 2028 für die Proben und Aufführungen aus dem Saarland, Deiner jetzigen Heimat, extra ins hessische Bad Soden-Salmünster pendeln. Warum lohnt sich dieser weite Weg?
Der Weg lohnt sich für mich. Wir sind eine offene und liberale Gemeinschaft – und gerade in der heutigen Zeit ist es mir wichtig, meine ehemalige Heimat dabei zu unterstützen, eine lebenswerte Gemeinschaft für alle Menschen zu sein und diese zu erhalten. Es war in meinen Augen noch nie so wichtig, unsere Gesellschaft durch Vereine und deren Arbeit zu stützen.