INSZENIERUNG 2028
„BEGREIFT IHR, WAS ICH AN EUCH GETAN HABE?“
Er kniet sich vor ihnen nieder. Ausgerechnet er. Er, der so viel mehr ist, als sie begreifen können. Er, der ihre Gruppe gesammelt hat, sie führt, sie lehrt, sie zusammenhält. In den Staub kniet er sich und will ihnen die Füße waschen. Dabei sind sie so schmutzig, der Dreck einer ganzen Stadt hängt daran. Jerusalem versinkt gerade in den Pilgerströmen zum jährlichen Pessachfest. Und er kniet nun da, mit einer Schüssel auf dem Schoß und wartet darauf, dass sie ihre Sandalen ausziehen und ihn das tun lassen, was traditionell zur Gastfreundschaft gehört und von einem Diener oder Sklaven erledigt wird. Er, der für sie so unbegreiflich weit oben zu stehen scheint, begibt sich ganz nach unten und ist sich selbst nicht zu schade. „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“, wird er sie nach dieser Handlung fragen, die mit so viel Liebe und Hingabe erfüllt ist.
Begreifen wir, was dieser Mann an uns getan hat? Damals, vor 2.000 Jahren in einem kleinen, damals kaum bedeutsamen Land – zeitlich und räumlich so weit entfernt von uns und unserem Leben. Jesus von Nazareth hat von Gottes Reich und Liebe gesprochen, er hat Kranke geheilt und die umarmt, die außerhalb der Gesellschaft standen. Er hat davon geredet, dass der Größte sich klein machen soll und wir unsere Mitmenschen mehr lieben sollen als uns selbst. Eine Anweisung, die so viel verändern würde – auch heute noch. Gerade jetzt, in Zeiten, wo viele das Gefühl haben, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet. Zu viele verschiedene Meinungen, auf die jeder beharrt, zu viel Selbstliebe, zu wenig Toleranz und zu wenig Perspektivenwechsel, um vielleicht den anderen zu verstehen.
In unserer 16. Spielzeit wollen wir erneut die Frohe Botschaft der Evangelien verkünden und uns dabei dem gesellschaftlichen Zusammenhalt widmen.
Was können wir aus der Passionsgeschichte, aber auch aus den Einzelschicksalen damals für unser eigenes Leben mitnehmen? Hält Jesu‘ Lehre eine Antwort bereit, wie Zusammenhalt gelebt werden kann und Gesellschaft auch heute funktioniert? Dabei will die Inszenierung keinesfalls den Zeigefinger erheben, sondern Fragen stellen, die die Zuschauenden über das Spiel hinaus begleiten können.
"Die Passionsspiele Salmünster sind ein besonderer Bestandteil des kulturellen Lebens unserer Stadt und besitzen zugleich eine wichtige touristische Bedeutung für Bad Soden-Salmünster und die Region. Sie ziehen Gäste aus nah und fern nach Salmünster und tragen dazu bei, unsere Stadt mit ihrer historischen Altstadt, ihren vielfältigen Freizeitangeboten und dem Kur- und Gesundheitsstandort einem breiten Publikum näherzubringen. Hinter den Passionsspielen stehen großes ehrenamtliches Engagement, viel Leidenschaft und ein starkes Gemeinschaftsgefühl – Werte, die unsere Stadt auszeichnen und für unsere Gäste unmittelbar erlebbar werden. Diese Verbindung aus gelebter Tradition, Kultur und Gastfreundschaft macht die Passionsspiele zu einem besonderen Aushängeschild für Bad Soden-Salmünster."
Dominik Brasch, Bürgermeister von Bad Soden-Salmünster