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Der Sanhedrin (Hoher Rat) war die höchste politische, religiöse und juristische Instanz des Judentums in der römischen Zeit und zur Zeit Jesu. Die Bezeichnung kommt aus dem Griechischen (synedrion = Ratsversammlung) und wurde nur in der römischen Zeit (seit dem 1. Jahrhundert v. Chr.) gebraucht; die Institution selbst reicht jedoch zurück bis in die persische Zeit, in der sie Gerusia („Rat der Ältesten“) genannt wurde.

Die Tradition verbindet die siebzig Mitglieder des Sanhedrin mit den siebzig Ältesten, die zusammen mit Mose das Volk durch die Wüste führten. Der Sanhedrin tagte in der „Halle der Quadersteine“ im Tempel von Jerusalem; er traf sich niemals nachts, am Sabbat, an Festtagen oder am Vorabend von Sabbat oder Festtagen.

Die Evangelien berichten von mehreren Prozessen vor dem Sanhedrin; bei allen führte der Hohepriester den Vorsitz, die Örtlichkeiten jedoch schienen zu wechseln. Unter den Römern war es dem Rat verboten, Todesstrafen zu vollziehen. Die Auseinandersetzung zwischen den Sadduzäern und Pharisäern beeinflussten Zusammensetzung und Aufbau des Sanhedrin. Oft kam es im Rat zu Zusammenstößen zwischen den beiden Gruppen.

Die Sadduzäer kamen aus den höheren Schichten und gehörten hauptsächlich der Priesterklasse an. Ihre Lehre gründete sich ausschließlich auf das geschriebene Gesetz; seine mündliche Auslegung betrachteten sie – anders als die Pharisäer – nicht als verbindlich. Zur Zeit Jesu’ galten sie als Aristokratie; sie suchten sich mit den Römern zu arrangieren und waren daher beim Volk weniger beliebt als die Pharisäer.

Die Pharisäer bemühten sich, der Thora (Gesetz des Mose) in der Bevölkerung höchste Geltung zu verschaffen und versuchten deshalb – unter Zuhilfenahme mündlicher Überlieferungen – die Befolgung der verschiedenen Gebote und Vorschriften bis ins Kleinste zu regeln.

Wenn Jesus in der Bergpredigt sagt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“, so bescheinigt er den Pharisäern ein hohes Maß an Gerechtigkeit – das Maß, das durch die Jünger überboten werden soll.