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Eine genaue Zeitangabe über den Todestag Jesu von Nazareth liegt bis heute nicht vor, höchstwahrscheinlich aber starb er am Freitag, dem 7. April, des Jahres 30, 31 oder 33 nach Christus.

Fakt jedoch ist, dass er als politischer Verbrecher auf einem Hügel namens Golgatha nahe der Stadt Jerusalem durch die Kreuzigung hingerichtet wurde.

Bereits kurze Zeit nach seinem ersten Auftreten stieß Jesus auf Gegner aus den unterschiedlichsten religiösen, gesellschaftlichen und politischen Gruppen. Sie begegneten einem Menschen, der in einer unerhört freien und zugleich radikalen Weise bisherige Traditionen und Gesetze in Frage stellte, ihre Führungsposition missachtete und erschreckend selbstsicher verkündete, dass durch ihn allein eine neue, verheißungsvolle Zeit kommen würde. Natürlich fand dieser Mann durch sein Wirken unter dem einfachen, jüdischen Volk, welches das Ende der Unterdrückung durch fremde Besatzungsmächte sehnlichst herbeiwünschte, rasend schnell Anhänger, was ihn noch bedrohlicher wirken ließ. Jesu Botschaft und Verhalten drohte ganz Israel in eine tiefe Krise hinein zu führen und forderte eine radikale Entscheidung. Als einzige Lösung dieses Konfliktes schien nur noch der Tod des „Volksführers“ in Frage zu kommen.

Kurz vor dem jährlich gefeierten Pessachfest der Juden hatte sich die Lage in Jerusalem dramatisch zugespitzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten die Tempelreinigung und der nur knapp vereitelte Aufstand den Anstoß gegeben, nach einer Möglichkeit zu suchen, Jesus zu verhaften. Dass ausgerechnet ein enger Freund Jesu – Judas – seine Mithilfe zur Festnahme anbot, kam den Führungsmächten sehr gelegen und musste für Jesus eine der schmerzlichsten Erfahrungen gewesen sein. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wird er im Garten Gethsemane durch den „Judaskuss“ verraten und gefangen genommen. Von seinen engsten Freunden im Stich gelassen, wird Jesus einer fanatischen Tötungsmaschinerie übergeben.

Weil das Pessachfest unmittelbar bevorstand, war ab sofort höchste Eile geboten. Jesus sollte so schnell wie nur irgend möglich verurteilt und hingerichtet werden. Noch in derselben Nacht verhörte der Sanhedrin (Hoher Rat) Jesus und hielt, als höchste religiöse Instanz Jerusalems, Gericht über ihn. Es war aber für den Sanhedrin gar nicht so leicht, Jesus juristisch einwandfrei als Volksverführer zu überführen. Erst durch das Messiasbekenntnis („Bist du der Messias?“ – „Ja, ich bin der Messias!“) als ungeheure Gotteslästerung machte sich Jesus eines todeswürdigen Verbrechens schuldig.

Und so wurde Jesus an Pilatus übergeben, da den Juden von den Römern das Recht, Todesurteile selbst zu vollstrecken, entzogen worden war. Es begann sofort ein neues Verfahren, diesmal nach römischen Recht. Dieses lückenlose Ineinandergreifen der Prozessmaschinerie war nur möglich, weil sich der römische Stadthalter wegen des Pessachfestes gerade in Jerusalem aufhielt und die Römer bereits früh am Morgen mit ihrer Gerichtssitzung begannen. Da der Hohe Rat Pilatus aufgrund der Dringlichkeit der Hinrichtung Jesu sehr unter Druck setzte, konnte er einem Gerichtsverfahren nicht ausweichen. Jedoch konnte kein römischer Richter einen Juden wegen Übertretung rein innerjüdischer Religionsgesetze zum Tod verurteilen. Der Sanhedrin sah in diesem Punkt sehr klar und brachte deshalb den „Fall Jesus“ unter einem anderen Aspekt vor den Römern zur Anklage: Sie stellten Jesus als politischen Aufwiegler und demzufolge als Gefahr für den Staat dar. Pilatus musste handeln, obwohl er offensichtlich zögerte, der Anklage des Sanhedrins einfach so nachzugeben. Zunächst durchschaute Pilatus die etwas zweifelhafte Beweisführung des Hohen Rates und nahm die Beschuldigung, dass Jesus ein politischer Anführer sein soll, überhaupt nicht mehr ernst. Zum anderen war Pilatus den Juden eher feindlich als freundlich gesinnt, und daher nicht gewillt, sich für ihre Zwecke benutzen zu lassen und etwas zu tun, was den jüdischen Führern gefallen hätte. Pilatus versuchte deshalb erst einmal die Basis für einen Freispruch Jesu zu schaffen und ließ ihn Herodes Antipas bringen.

Herodes tat Pilatus den erwarteten Gefallen: In einer Mischung aus Neugierde, Wundersucht und Aberglaube stellte er Jesus einige Fragen, um ihn schließlich zu verspotten und als „König der Juden“ zu Pilatus zurück zu schicken. Durch die Symbolik dieser Zeichenhandlung wurde Pilatus signalisiert, dass Jesus politisch harmlos war und keinerlei Gefahr für den Staat bedeute, was Pilatus auch nach außen hin genügend absicherte, um Jesus freisprechen zu können. Tatsächlich kam es aber nicht zum Freispruch, denn Pilatus bot den Juden wegen des bevorstehenden Pessachfestes, einem alten Brauch gemäß, Jesus als Gefangenen zur Amnestie an. Dadurch sprach er gegen seinen Willen das Todesurteil über Jesus. Er konnte nicht damit rechnen, dass das vom Sanhedrin (Hohen Rat) aufgewiegelte Volk sich gegen Jesus und für einen Mörder entscheiden würde. Ein folgenschwere Fehleinschätzung, die ihn nun erst Recht unter Druck setzte. Angesichts der großen Menge, die „Kreuzige ihn!“ schrie, hatte er sich eine rein richterliche Entscheidung selbst aus der Hand genommen. Pilatus vollzog eine völlige Kehrtwendung und entschied am Ende nur auf einer politischen Ebene – und zwar gegen Jesus. Der Mann, in dessen Händen Jesu Leben lag, gab schließlich doch noch nach und verurteilte Jesus als politischen Verbrecher zum Tod durch Kreuzigung.

Nach qualvoller Folterung wird Jesus ans Kreuz genagelt.
Nach der Verurteilung wurde Jesus gezwungen, „sein“ Kreuz zur Hinrichtungsstelle – dem Hügel Golgatha – zu tragen. Obwohl er durch die Folter der römischen Soldaten körperlich bereits am Ende seiner Kräfte war, musste er jetzt auch noch den Spott der Menschen am Rande des Kreuzweges „ertragen“. Trotzdem stand er erst am Anfang seines unmenschlichen Leidens.

Die Kreuzigung war eine der grausamsten Hinrichtungsarten, die sich Menschen ausgedacht hatten, um andere Menschen zu quälen. Es galt als furchtbar und entehrend, den Tod am Kreuz zu finden. Jesus musste dies am eigenen Leib erfahren. Selbst als er schon am Kreuz hängt, und von furchtbaren Schmerzen gepeinigt wird, verspotten die „Zuschauer“ ihn immer noch…

Vermutlich starb Jesus nach ungefähr sechsstündigen Todeskampf gegen drei Uhr nachmittags. In den letzten Minuten vor seinem Tod sprach er nochmals ein Gebet, konzentrierte sich noch einmal auf Gott, um dann nach fast unglaublichen Leiden – innerlich gelöst und in Frieden sein unvergleichliches Leben zu beenden.