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Die Welt zur Zeit Jesu unterlag dem Gesetz der römischen Ordnungsmacht: Rom war die beherrschende Weltmacht und Augustus war der Kaiser in Rom. Von Spanien im Westen bis Mesopotamien im Osten und wiederum von Britannien im Norden bis Äthiopien im Süden herrschte die Pax Romana – der mit der Gewalt des Schwertes und der Macht des Rechts hergestellte und aufrechterhaltene römische Friede. Das römische Weltreich wurde vom Kaiserkult dominiert, der mehr und mehr zur Staatsreligion wurde. Diese Kaiserverehrung wurde zur religiösen Stütze des Regierungssystems: Wer dem Kaiser opferte, bewies damit seine Loyalität. Aber auch aus dem natürlichen Verlangen des Menschen nach Sehen und Sichtbarkeit erwuchs diese Kaiserverherrlichung: Während die anderen Götter unsichtbar blieben, war der Kaiser ein Gott zum „Anfassen“.

Am östlichen Rand des Römischen Weltreichs lag, klein und bedeutungslos, das Land Palästina, die Heimat des jüdischen Volkes. Auch über ihm stand gebietend das politische Gesetz Roms, aber es wurde überboten von dem Gesetz Gottes, wie es durch Mose offenbart worden war.

Doch die Wirklichkeit sah leider anders aus: Seit dem Babylonischen Exil (ab 586/587 v. Chr.) besaß das jüdische Volk, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, keine eigene staatliche Existenz mehr, sondern stand ständig unter fremder Herrschaft und diese wechselte rasch. Auf die Babylonier folgten die Perser, auf die Perser die Griechen und so weiter.

Dann aber traten die Römer auf den Plan. Von rivalisierenden jüdischen Parteien ins Land gerufen, zogen sie 63 v. Chr. in Jerusalem ein. Palästina wurde römisches Protektorat. Die Juden aber verabscheuten die Römer als Besatzer, Gottlose und Heiden. Das steigerte die politische Feindschaft zum religiösen Hass.

Die Messias-Erwartung blieb erhalten – seit der Fremdherrschaft durch andere Völker erhofften die Juden das Ankommen eines Erlösers aus dem Hause Davids, der die einstige Größe und politische Unabhängigkeit Israels wiederherstellen würde.

Die Juden selbst empfanden sich als Fremdlinge unter den Völkern; diese wiederum spürten ihrerseits die Fremdheit der Juden und lehnten sie ab, ja verfolgten sie bisweilen sogar schon vor Christi Geburt. Die jüdische Außenseiterstellung war bedingt durch ihren Monotheismus (Glauben an einen Gott). Kult, Gesetz, Theologie, Moral und Recht – alles bedeutete nur die Entfaltung des Bekenntnisses Israels zu dem Einen Gott. Dieser Gott hat unter allen Völkern der Erde das Volk Israel erwählt und mit ihm einen ewigen Bund geschlossen, damit es seinen Namen in der Welt bekannt mache. Allein in der Erfüllung dieses mit der Erwählung gegebenen göttlichen Anspruchs hatte Israel seine Identität als Volk. Aus der Idee des heiligen Volkes, dessen König Gott selber ist, ergab sich als staatliche Verfassung die Theokratie: Nicht das Volk ist der Souverän (uneingeschränkter Herrscher eines Staates) – alle Staatsgewalt geht von Gott aus. Daher gab es auch keine Unterscheidung zwischen geistlichem und weltlichem Recht innerhalb des Judentums.